Wählst auch du Für_Sorgearbeit?

 

Für_Sorgearbeit, manche sagen auch Care-Arbeit, ist das, was unsere Gesellschaft am Laufen hält. Wir sorgen für andere Menschen, unbezahlt und bezahlt, wir pflegen, erziehen, organisieren, kümmern, putzen,... Dieses „Wir“ ist aber nicht die ganze Gesellschaft – es sind hauptsächlich Frauen*, die diese Arbeit leisten. Wir wählen also Für_Sorgearbeit – zu unseren Bedingungen!

 

Um auch wirklich das wählen zu können, was uns wichtig ist, stellen wir eigene Forderungen zur Wahl. Auf Wahlzetteln, die an verschiedenen Tagen im Vorfeld der Wahl verteilt werden, können dann Menschen symbolisch ihre Stimme abgeben.

 

Warum eine symbolische Wahl?

 

Viele Menschen finden den parlamentarischen Dschungel sehr unübersichtlich, bzw. nehmen widersprüchliches Verhalten der Parteien wahr. Beispielsweise wird eine bestimmte Haltung zum Umgang mit Geflüchteten im Parteiprogramm vermittelt, die reale Politik und die daraus folgenden Entscheidungen zeigen diese Haltung aber nicht. Bei der letzten Kommunalwahl in München gab es eine Wahlbeteiligung von 42%. Wir gehen nicht davon aus, dass die restlichen 58% kein Interesse an der Wahl haben – für manche Menschen ist die Kommunalwahl inklusive aller manchmal sehr schwierigen Zugangswege einfach keine Option.

 

Dazu kommt, dass viele Menschen nicht einmal wahlberechtigt sind! Bereits vor über 100 Jahren kämpften Frauen*gruppen wie die Suffragetten für das Wahlrecht. Denn Wahlen sind wohl eine der breitesten Möglichkeiten, der eigenen Stimme Gewicht zu geben und an der Entwicklung der Gesellschaft teilzuhaben. Oft sind aber diejenigen, die am stärksten von Ungerechtigkeiten betroffen sind, nicht wahlberechtigt. Das sind beispielsweise Personen, die geflüchtet sind, oder Personen mit Migrationsbiographie. Um an der Kommunalwahl teilnehmen zu können, müssen die Menschen aus einem EU-Land kommen, sonst werden sie ausgeschlossen – egal wie lange sie hier schon leben! Das ist ungerecht und bringt Hunderttausende Menschen in der Wahl zum Schweigen.

 

Auch Personen, die noch nicht volljährig sind, dürfen nicht wählen – obwohl genau sie diejenigen sind, die am meisten unter den jetzt getroffenen Entscheidungen leiden oder von ihnen profitieren könnten. Insgesamt sind ca. 1,1 Millionen Menschen in München wahlberechtigt – es leben aber mehr als 1,5 Millionen Menschen hier!

 

Deshalb möchten wir den Menschen, die sich von abstrakten Wahlen nicht angesprochen fühlen und Menschen, die (noch) nicht wählen dürfen, eine Stimme geben und ihre Forderungen an Entscheidungsträger*innen herantragen.

 

Was passiert mit den Stimmzetteln?

 

Die Stimmzettel werden am internationalen Frauen*kampftag, am 8. März, auf der Kundgebung und danach beim „We won't shut up“ - Festival verteilt und in einer eigenen Wahlurne gesammelt. Außerdem werden wir am 9. März, also am Montag vor der offiziellen Wahl, in der Münchner Fußgängerzone mit einem Infostand stehen. Auch hier können Passant*innen ihre Stimme abgeben.

 

Die gesammelten Stimmzettel werden von uns ausgewertet: Wie viele Menschen haben teilgenommen? Welche Forderungen sind ihnen am wichtigsten? Welches Feedback haben wir bekommen?

 

Diese Auswertung und die gesammelten Stimmzettel werden dann nach der Wahl des bzw. der Oberbürgermeister*in dieser Person übergeben. Sie hat dann den Auftrag, in den 6 Jahren ihrer Amtsperiode unsere Forderungen zu berücksichtigen! Sowohl die Sammlung der Stimmen, als auch die Auswertung und Übergabe werden von Social Media Arbeit begleitet, in der wir die Kandidat*innen explizit ansprechen und verantwortlich machen möchten.

 

Warum gehen die Stimmzettel ausgerechnet an den/die Oberbürgermeister*in?

 

Weil das die Person ist, bei der (auch nach eigenen Angaben, wie beispielsweise im Erklärvideo auf https://muenchenwaehlt.de/ beschrieben) alle Entscheidungen zusammenlaufen. Dort wird es so beschrieben, dass an dieser Stelle „wie in einem Rechenzentrum“ alle Informationen der Stadtpolitik zusammenlaufen. Also sollte diese Person auch unsere Forderungen kennen, anstatt diese im bürokratischen Wust der Stadtverwaltung verloren gehen zu lassen!

 

Um welche Themen geht es bei den Stimmzetteln?

 

Wir haben bei den Forderungen Themen gesammelt, die zwei Voraussetzungen erfüllen:

 

  • Es müssen Forderungen sein, die auf kommunaler Ebene entschieden werden können bzw. bei denen Kommunalpolitik Einfluss nehmen kann (z.B. bei Bereichen, die in Verwaltung des Regierungsbezirks liegen).

  • Es sind Forderungen, die entweder direkt mit unbezahlter oder bezahlter Für_Sorge-Arbeit zu tun haben oder die Konsequenzen der ungerechten Verteilung von Für_Sorge-Arbeit aufzeigen.

 Wir möchten, dass Entscheidungen zu unseren Gunsten getroffen werden.

 

Dazu müssen wir mit unserer eigenen Lebensrealität gehört werden – bei der Wahl und im Alltag!

 

Wir möchten, dass Gelder so ausgegeben werden, dass sie die Situation tatsächlich verbessern und nicht nur als Alibi dienen.

 

Es bringt nichts, wenn Kindertagesbetreuung einer der finanziellen Schwerpunkte des städtischen Haushalts ist und die Betreuungsplätze ausgebaut werden, wenn sich nichts an den Arbeitsbedingungen der Fachkräfte ändert!

 

Wir möchten, dass langfristige Konsequenzen der aktuellen gesellschaftlichen Situation vorausgedacht werden.

 

Altersarmut ist weiblich* - aufgrund von unbezahlter Care-Arbeit, die über Jahrzehnte hinweg ignoriert wurde. Das muss nicht sein!

 

Wir möchten, dass Entscheidungsträger*innen uns ALLE vertreten, mit aller Vielfalt, die das Leben mit sich bringt.

 

Politiker*innen, die veraltete Klischees verkörpern und sogar die heutige Vielfalt unserer Gesellschaft wieder einschränken möchten, vertreten uns nicht! Ein paar beispielhafte Zitate verschiedener Parteien (ihr dürft dann raten, welches Zitat von welcher Partei stammt):

 

  • Der Vater gibt Identität. Die Mutter sorgt mit Empathie für Ausgleich. Man muss der Natur nicht ins Handwerk pfuschen.“

  • Gender Mainstreaming ist ein Themengebiet, das in das Reich der Psychiatrie gehört.“

  • Schwulenparade abschalten! Kein städtisches Geld für Schwulenpropaganda und Gender-Irrsinn!“

  • Blinde Gleichmacherei, die Abkehr vom Leistungsgedanken, Gender-Ideologie im Unterricht, Experimente mit Gemeinschaftsschulen (…) - solche Konzepte helfen keinem, sondern schaden allen“

  • Es ist keine reaktionäre Grundhaltung, wenn man sich Gedanken macht, welche Bezugspersonen für Kinder die bestmöglichen sind. Und da bin ich der Meinung: Kinder brauchen Vater und Mutter.“

 

Wir möchten, dass Menschen unabhängig von ihrem sozialen „Status“, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Geschlechts und ihrer Orientierung gleich behandelt werden.

 

Von Wohnungsnot zu sprechen und dabei nur an heterosexuelle Mittelschichts-Pärchen zu denken, hilft uns nicht!

 

Wir möchten Räume haben, um aktiv zu sein.

 

Stattdessen ist es beispielsweise für linke Gruppen unglaublich schwer, überhaupt Räume für ihre eigene Politik zu finden. Wir brauchen Platz für unsere gesellschaftliche und politische Teilhabe!

 

 Das war nur ein Auszug – es ist viel zu tun und wir brauchen DICH, um Gehör zu finden.

 

Bist auch du dabei? Dann freuen wir uns, wenn du das wählst, was dir wichtig ist. Gerne kannst du uns auch eine Nachricht schreiben, wir sammeln gerne auch weitere Forderungen und Zitate (natürlich anonymisiert).

 

Viele Stimmen für eine gerechte Gesellschaft!

 

 

Du willst gleich digital abstimmen? Das geht! Wir freuen uns auch, wenn du an unserer symbolischen Wahl teilnimmst.

Es geht ganz einfach:

  • Stimme für die Forderungen abgeben, die dir wichtig sind oder mit einem Kreuz in der obersten Zeile für ALLE Forderungen
  • Per Mail schicken an info@frauenstreik-muenchen.de
  • Fertig :)
  • Vielen Dank für eure Teilnahme!
Download
Hier gehts zum Stimmzettel!
Stimmzettel_Ausfüllen.pdf
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