Spotify, kein Profit mit Frauen*hass!

Vor wenigen Tagen startete eine Kampagne (#unhatewomen), die den Frauen*hass im Deutschrap offenlegte: Ob Vergewaltigungsfantasien, Slutshaming oder die Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen*, all das ist bei manchen „Rappern” angeblich Teil der Identität und des Stils. Frauen*hass wird uns hier alltäglich als Kunst verkauft.

Welche Auswirkungen das hat, zeigt sich aktuell: Ein „Rapper” setzte ein Kopfgeld auf mich aus, weil sie ihn auf sein Verhalten angesprochen hatte. In seiner Story teilte er mein Profil mit den Worten: "Wer die N***e ran bringt 2000€”. Sich gegen eine Verharmlosung von Gewalt an Frauen* zu positionieren, hatte damit für mich sofort Konsequenzen - und auch das wird jetzt von (zu) vielen Menschen immer noch hingenommen und sogar belächelt. Das wollen wir nicht zulassen!

Wir - das bin ich, Olivia, die von Fler bedroht wurde, mit dem Frauen*streik München: "Wir, der Frauen*streik München, sind eine Gruppe vielfältiger Frauen*, die der Ausbeutung und Unterdrückung von FLINT*s, d.h. von Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binären und Trans-Personen, den Kampf ansagen."

Wir erzählen euch, was passiert ist: Olivia erfährt davon, wie Fler sowohl eine Frau*, die die Kampagne gepostet hatte, als auch den Comedian Shahak Shapira bedroht und beleidigt. Daraufhin kontaktiert sie ihn direkt, um ihn dafür zu sensibilisieren, wie  falsch sein Verhalten ist - schließlich bestätigt dieses Verhalten alles, was in der Kampagne angeprangert wurde. Fler antwortet darauf mit Sprachnachrichten, in denen er sie immer wieder massiv beleidigt und bedroht und die Dateien direkt, nachdem sie sie abgehört hat, löscht. Er blockiert sie daraufhin, teilt ihren privaten Account in seiner Story – und setzt ein Kopfgeld auf sie aus. 2000 Euro, damit man sie ermordet, vergewaltigt, oder was auch immer er mit „Wer die N***e ran bringt 2000€” meint. Olivia (wie auch weitere Betroffene) richtet sich an Comedian Shahak Shapira, der sie unterstützt. Dafür wird er sogar von einigen in dieser Rap Szene angefeindet - er sei ein „weißer Ritter”, der sich als Held aufspielt, würde selbst nur Promo machen wollen und solle laut 16bar „die Fresse halten“.

Was wir, Olivia und Frauen*streik München fordern!

Der Aufruf zu Gewalt gegen Frauen* als Kunst zu betrachten oder die Worte und auch Taten (!) von Rappern als „Teil des Rap Games“ zu verstehen, sollte spätestens seit #metoo 2017 nicht mehr salonfähig sein. Den Täter in Schutz zu nehmen, ihn in seiner Annahme, ein Anrecht auf Frauen* zu haben, zu unterstützen, sollte schon lange der Vergangenheit angehören. Betroffenen von Gewalt (oder -androhungen) die Schuld dafür zu geben, ist ebenfalls nichts Neues: Mit solchen Strategien werden betroffene Frauen* weltweit mundtot gemacht.

Spotify ist einer der größten Musikanbieter weltweit. Als schwedisches Unternehmen ist es in einem Land angesiedelt, dass sich selbst seiner feministischen Politik rühmt. Auch Spotify selbst rühmt sich auf seiner Seite „For the record” mit Informationen zum Streaming Dienst damit, gegen Hassrede vorzugehen. In einem Policy Update schreiben sie: „The second part of our policy addressed hate content. Spotify does not permit content whose principal purpose is to incite hatred or violence against people because of their race, religion, disability, gender identity, or sexual orientation. As we’ve done before, we will remove content that violates that standard.”

Wir fordern Taten statt Worte! Spotify, wir fordern, Künstler von eurer Plattform zu nehmen, die nachweislich Gewalt an Frauen* propagieren, fördern und fordern – fangt doch mit Fler an! Frauen*hass in Worten ist und bleibt Frauen*hass – und Gewalt. Denn gerade im Fall von Fler sieht man: „Kunst” und Realität sind nah beieinander.

Wie viele Frauen* es lange nicht gewagt haben, von ihren negativen Erfahrungen zu berichten, wurde zuletzt wieder sichtbar: Egal ob es um die Filmbranche geht, um Schulen, um Familien, um Poetry Slam Bühnen oder wie hier in der Musikszene. Die aktuelle Situation zeigt, warum viele Frauen* es auch immer noch nicht wagen, von erlebter Gewalt zu erzählen.

Wir wollen an diesem 8. März Taten sehen. Es ist das eine, in dieser Szene zu sein und als Rapper Frauen* zu hassen. Dass dieser Deckmantel der Kunst auch vom Mainstream getragen wird, verstärkt, unterstützt, normalisiert und fördert diese Gewalt allerdings noch mehr. Menschen hören und teilen diese „Musik”. Konzerne schlagen ihren Profit aus Hass. Diese Komplizenschaft ist das, was Fortschritt aufhält und Täter schützt!

Spotify, wir fordern Taten statt Worte! Nehmt Künstler von eurer Plattform, die nachweislich Gewalt an Frauen* propagieren, fördern und fordern.

MEHR ZU UNS:

Der 8. März, der internationale Frauen*kampftag nähert sich wieder, und überall strahlt es uns entgegen: die Gleichberechtigung der Frauen* ist in aller Munde, die Gesellschaft wünscht sich angeblich nichts sehnlicher. Wir sehen den 8. März nicht als Show - sondern als Streik! Unter dem Motto „Wenn Frauen* streiken, steht die Welt still!“ erarbeiten wir unterschiedlichste Streikformen für alle Lebensbereiche, in denen FLINT*s soziale, institutionelle und arbeitsbezogene Unterdrückung erfahren. Und wir fordern, dass gerade die, die angeblich gegen Gewalt an Frauen* sind, auch Taten folgen lassen!

 

HIER GEHTS ZUR PETITION --> http://chng.it/c8WDRcn7Zg